In fast einer Woche ist es soweit. Die diesjährige Oscarverleihung steht an. Natürlich wird GreekGeek live (auf dem Sofa) dabei sein und währenddessen die Gewinner einzeln auf der Seite aktualisieren.
Wie bereits berichtet, sind folgende Filme für BESTER FILM nominiert:
BROKEBACK MOUNTAINCAPOTECRASHGOOD NIGHT AND GOOD LUCK undMUNICH
Es ist natürlich immer schwierig zu behaupten welche Filme es verdient haben und weswegen sie zu den besten fünf gehören sollen. Oder welche es nicht verdient haben!
Also fange ich gleich damit an: CRASH und GOOD NIGHT AND GOOD LUCK sind keine wahren Anwärter für den besten Film des Jahres. Im nachhinein gesehen sind sie nur Auffüller, damit der Sieger eindeutiger feststeht.
CRASH hätte ein sehr guter Film sein können, hätten die Macher nicht versucht ihre Ansichten mit dem Holzhammer auf den Zuschauer einzudreschen. Es wirkt wie eine Aneinanderreihung von Rassismus Klischees, wie man sie lang nicht mehr in Film gesehen hat. Ich frage mich, an wenn der Film gerichtet ist. An Normalos, die nicht zwischen Schwarzen, Gelben, Bunten (und was auch immer) unterscheiden, oder an die die es nicht tun. Wenn es für die ersten sein soll, ist es nichts was diese Gruppe nicht eh schon weiß oder schon immer so gesehen hat. Wenn es an die zweite Gruppe gerichtet ist: die fühlen sich dann noch eher in ihren Glauben bestätigt. Wie ein Kritiker meinte: der Film ist „Rassismus für Dummies“. Mich hat der Film eher aufgeregt, weil er ein paar gute Ansätze hatte und dann kurz vor Schluss alles wieder abschlaffen ließ. Das Schauspieler Ensemble ist sehr gut, allen voran Matt Dillon als Rassistisches A……ch, aber selbst die wissen nach einer Weile nicht mehr wohin. Schade, gutes Konzept, maue Umsetzung.
GOOD NIGHT AND GOOD LUCK: Besserer Film, aber zu klein. Der ganze Film spielt in den Fernseh Studios von CBS zur McCarthy Ära und erzählt von den Anstrengungen des Fernsehmoderators Edward R. Murrow (wie immer sehr gut gespielt von David Strathairn), der mit der Hilfe der (damaligen) Massenmedien das Chaos, das die McCarthy Verfolgung angerichtet hat, einzudämmen. Der Film besteht aus Meetings des Fernsehteams und aus den Szenen der Fernsehsendung von Murrow. Es ist ein sehr gut inszeniertes Kammerspiel von George Clooney (großartig in Schwarz/Weiß in einer Zeit in der alles Schwarz/Weiß war) aber ihm fehlt ein wenig das Cineastische. Der Film hat mich sehr an die Fernsehfilme des ZDF Mitte der 80er erinnert.
Die folgende drei haben es allemal verdient in die Kategorie BESTER FILM zu gelangen. Für die beiden erwähnten Filme hätte es im besten Fall Ersatz gegeben und zwar in Form von Filmen wie: THE CONSTANT GARDENER, MATCH POINT, WALK THE LINE und dem großartigen aber unterschätzen EVERYTHING IS ILLUMINATED.
CAPOTE. Eine meisterhafte Charakter Studie über Truman Capote und die Herstellung seines Buches „In cold blood“, über die Morde an einer Familie in Kansas, in den 50er Jahren. Um sein Buch fertig zu stellen, muss sich Truman Capote mit einem der Mörder über eine längere Zeit unterhalten und fängt an, Mitgefühl für ihn zu haben. Der Mörder versucht dies für sich auszunutzen, um seiner Hinrichtung zu entgehen, während Capote die Hinrichtung, als Abschluß für seinen Roman braucht.
Eiskalte Schauer laufen einem über dem Rücken bei den Gesprächen der beiden in der Gefängnis Zelle. Philip Seymour Hoffman spielt so klasse, dass ich ihn für sehr „creepy“ empfunden hab. Besonders diese Stimme, die er in dieser Rolle (Original Fassung) hat, bereitet Gänsehaut und würde mich, wenn er in der U-Bahn sitzen würde, dazu bringen, mich schnell wo anders hin zu begeben.
Der Film besticht mit seiner Stille. Es gibt unzählige stille Momente, in denen der Film zu Höchstleistungen auffährt, wie selten zuvor. Der Oscar für den BEST ACTOR wird zwischen Truman Capote und Johnny Cash entschieden.
Und jetzt zu den beiden Favoriten:
Über MUNICH hab ich genügend in meiner ausführlichen Kritik gesprochen. Nach mehrmahligen Anschauen, bin ich immer noch der Meinung, dass MUNICH eigentlich der BESTE FILM des Jahres ist, wäre da nicht auch noch der (in anderen Ebenen) großartige BROKEBACK MOUNTAIN. Dies sind die diesjährigen beiden BESTEN FILME wie es im letzten Jahr THE AVIATOR und MILLION DOLLAR BABY waren. Wobei THE AVIATOR und MUNICH die beiden Cineastischeren Filme sind. Aber wie man es dreht und wendet wird BROKEBACK MOUNTAIN den Oscar für den BESTEN FILM des Jahres 2005 bekommen. Ang Lee ist eine wunderschöne, traurige Liebesgeschichte gelungen, wie ich sie von ihm nicht erwartet hatte. Liegt aber wahrscheinlich auch an dem sehr guten Drehbuch und an der fabelhaften Leistung von Heath Ledger und ganz besonders Jake Gylenhaal. Ledger bekommt das ganze Lob (immerhin ist er als Bester Hauptdarsteller und Gylenhaal „nur“ als Nebendarsteller - im englischen Supporting Actor - nominiert), aber es ist nur so gut, weil ihn Gylenhaal so gut „supported“. Ich habe lange nicht mehr so eine gefühlsvolle Liebesgeschichte im Kino gesehen. Es gibt zwei Szenen in diesem Film, die mich emotional richtig umgehauen haben. Wenn jemand glauben sollte, dass die Homosexualität der Gimmick des Film ist, dann liegt er hier aber ganz falsch. Es ist eine ganz normale (in diesem Falle, außergewöhnliche) Liebesgeschichte!
Natürlich wird es Leute geben die denken, dass der Film nur wegen des Themes erfolgreich ist und natürlich wird es Studio Bosse geben, die versuchen werden, den Erfolg für sich auszunutzten (rechnet mit Filmen über zwei schwule Kampfpiloten, zwei schwule Polizisten, zwei schwule Hobbits, - huh, den gab's ja schon - usw.) Aber trotzdem läßt sich nicht verleugnen, dass BROKEBACK MOUNTAIN einer sehr sehr guter Film ist.
Meine Einschätzung für die Oscar Chancen für den Besten Film:
BROKEBACK MOUNTAIN 70%
MUNICH 25 %
CAPOTE 5 %
GOODBYE AND GOOD LUCK 0%
CRASH 0%
BROKEBACK MOUNTAIN ist der absolute Favorit. MUNICH wird ja von vielen Mitgliedern der Academy verpönt, in dem dem Film angekreidet wird, dass er antisemitische Tendenzen hat. Ich glaube kaum, dass das die Absicht von Spielberg bei der Herstellung des Films war. Die paar Szenen in denen Terrorisiten zu Wort kommen und wenn die Mutter des jüdischen Agenten Avner anzweifelt, ob die Art und Weise der Politik von Israel richtig ist, verfolgen den Film in bestimmten Kreisen. Und dazu gehören nun mal auch älteren jüdischen Oscar Academy Mitglieder. Und, nächster Gedanke: ist BROKEBACK MOUNTAIN, für die älteren Academy Herren, der beste Film des Jahres, weil es um zwei Homosexuelle Cowboys geht, oder weil er ein verdammt guter Fim ist. Wenn es das erste ist, tut mir das leid. Denn die Auswahl, für den Besten Film, dieses Jahr, - von Glaubens-Terror, Mord- und Totschlag in Vororten, Rassismsus in unser Zeit, Kommunistenverfolgung und Diskriminierung - ist so gut wie noch nie. Aber wenn diese, als BESTE nominierten Filme als Hinhalte-Moral-Auflistung dienen sollen, und im Hintergrund wird über diese Themen genauso gedacht wie von den Leuten denen die Geschichten erzählt werden sollen, habe ich Angst das CRASH doch ganz gut war!